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Lysann(R)

E-Mail

08.11.2017,
20:33 Uhr
 

Lenya (Trauer)

Hallo, am 28.10.2017 ist unser kleiner Sonnenschein am plötzlichen Kindstod gestorben. Wir haben 5 Jahre lang versucht schwanger zu werden und wollten diesen Sommer eigentlich dann mit der Behandlung zur künstliche Befruchtung anfangen ( mein Mann wurde erst im Sommer 25). Dann war ich auf einmal doch im Dezember letzten Jahres schwanger, hatten es eigentlich schon komplett aufgegeben auf natürlichen Weg schwanger zu werden. Die Schwangerschaft war eigentlich unkompliziert, gut die letzten 3 Monate durfte ich eigentlich nur noch liegen und durfte bis auf wenige Tage nicht arbeiten gehen, aber gut ist ja jetzt nichts was wirklich schlimm ist. Wir haben uns so auf unseren Sonnenschein gefreut und dann war es am 19.08 auch so weit.Die Geburt war auch schnell vorüber, am Vorabend haben die Wehen eingesetzt, gegen halb 2 ins Krankenhaus und um kurz nach 5 war sie da. Und dann nach 10 Wochen puren Glücks sowas. Mein Mann hat mich weinend wach gemacht und ich hab noch versucht sie zu reanimieren, bin Erziehern bzw. ich war es keine Ahnung und wusste deswegen auch wie man es macht, aber leider half es nichts mehr. Ich vermisse sie so sehr, sie hat so viel gelacht. Man versucht sich zwar zu trösten das man sie überhaupt kennenlernen durfte und dankbar zu sein das man 10 wunderschöne Wochen mit ihr hatte, aber viel hilft es nicht wirklich. Man fragt sich immer was wäre wenn man früher aufgewacht wäre, sie kam immer unregelmäßig mal gar nicht mal einmal und ein anderes mal wieder jede Stunde, und was hat man falsch gemacht.

In Gedanken bei meinen kleinen Engel.

Lysann(R)

E-Mail

09.11.2017,
13:03 Uhr

@ Lysann
 

Lenya

Heute Abend kommt der Redner zu uns, bzw zu meinen Eltern wo wir gerade wohnen. Ich weiß nicht recht ob das hier her gehört, aber meine Psychologin meinte ich soll darüber reden/ schreiben wenn mir das hilft, also schreib ich es einfach mal. Wir haben 3 Lieder raus gesucht, Staubkind kleiner engel, unheilig an deiner Seite und Christina Stürmer du fehlst mir. Dazu noch ein kleines Gedicht:
Du kannst darüber weinen,
dass sie gegangen ist,
oder du kannst lächeln,
weil sie gelebt hat.
Du kannst deine Augen schließen
und beten, dass sie wieder kommt,
oder du kannst sie öffnen und sehen,
was sie zurückgelassen hat.
Dein Herz kann leer sein,
weil du sie nicht sehen kannst,
oder es kann voll der Liebe sein,
die sie für dich und andere hatte.
Du kannst sie im Herzen tragen,
und sie in dir weiterleben lassen.
Du kannst weinen und ganz leer sein,
oder du kannst tun, was sie von dir wollte,
dass du lächelst, deine Augen öffnest,
Liebe gibst und weitergehst.
Das hatte uns eigentlich gut gefallen, na eher meiner Mutter und mir, mein Mann sagt nicht viel zu dem Thema. Ansonsten weiß ich nicht was der Redner sagen könnte, das sie viel gelacht hat, baden über alles liebte und eigentlich nur ruhig wurde wenn sie bei uns lag, als hätte sie gewusst das sie nicht viel Zeit hat. Das kommt einen alles so banal vor, aber vielleicht kann er uns ja auch weiter helfen.
Mein Mann redet kaum noch über das Thema, klar wenn ich ihn direkt darauf anspreche reden wir darüber, aber von alleine eher selten und drängen will ich ihn ja eigentlich auch nicht. Am Anfang hat er seine Emotionen noch gezeigt und ich war so froh darüber, aber dann waren wir bei seinen Großeltern und sein Großvater haut raus, er muss jetzt stark sein für mich. Ich hätte ihn eine runter hauen können, aber hätte ja auch nicht viel geändert. Auf jeden Fall zeigt er sie seitdem nicht mehr. Was habt ihr da für Erfahrungen gemacht?
Im Moment geht es tagsüber, man hat ja genügend zu tun und Ablenkung, gerade ich auch wegen meiner Schwester. Ihre erste Reaktion auf den Termin, jetzt am Montag, war Mittwoch würde mir aber besser passen. Ich meine gut jeder trauert anders und sie hält sich an ihren Chemopatienten fest, ist Chemoschwester, aber das war doch wie ein Schlag ins Gesicht. Finde das geht gar nicht, habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht, ist es vielleicht sogar eine normale Reaktion und ich seh es nur zu eng? Hätte gerne jemanden mit dem ich mich austauschen könnte.
Durch ihren medizinischen Hintergrund haben wir auch schon einige Kommentare von Ärzten bekommen. Das ich selbst wenn ich es gleich gemerkt hätte, nicht viel ausrichten hätte können bei plötzlichen Kindstod und sowas wie das die Wissenschaft davon ausgeht das es eine biologische/ chemische Reaktion ist, weil die Kinder sonst schwer krank werden oder einen Gendefekt haben. Weiß nicht ob es wirklich so ist oder ob sie mich nur beruhigen wollen. Helfen tut es so oder so nicht die Fragen stellt man sich trotzdem. Ich hoffe nur sie haben recht in dem Punkt das sie nicht leiden musste. Die anderen meinten sie sah ganz friedlich aus wie schlafend, ich fand man hat gesehen es fehlte das Leben, objektiv gesehen haben sie aber wohl schon recht, hab das Bild noch genau vor mir und werde es wohl auch nie vergessen.
Auch seine Großeltern sind schnell mit Kommentaren dabei, wie die Wohnungen ist doch so schön da könnt ihr nicht ausziehen oder du arbeitest doch über die Stadt, ist nicht der Fall sind ein kleiner Elternverein mit einer ganz lieben Chefin, die meinte ich soll mir so viel Zeit nehmen wie ich brauch, die müssen sich woanders unter bringen, du musst doch arbeiten denk an deine Rente und ihr bekommt doch eh noch Kinder. Als ob ich bzw wir jetzt an diese Dinge denken und als wenn es überhaupt unsere Entscheidung wäre mit den Kind/ Kindern durch meine Endometriose. Und weiß auch nicht ob ich das noch einmal durchstehe, hatte bei Lenya schon eine Menge Angst davor. Erstmal muss ich iwie Montag überstehen und dann das alleine sein, da mein Mann schon gesagt hat, wenn es geht möchte er ab dem 20. wieder arbeiten gehen. Mal gucken was wird. Eventuell hat ja einer von euch auch das Bedürfnis sich auszutauschen und meldet sich bei mir.
Ich vermisse dich mein kleines Wunder, ich wäre so gerne bei dir.

ullis Mama(R)

12.11.2017,
16:23 Uhr

@ Lysann
 

Lenya

Liebe Lysann,
ich möchte dich gerne in irgendeiner Weise trösten , ich weiß aber, es ist leider nicht möglich.-
Das einzige, was ich dir mittlerweile aus vollstem Herzen sagen kann: du hast keinerlei Schuld am Tod deiner Kleinen, hast alles richtig gemacht!!!!. Früheres Aufwachen und nach ihr sehen hätte sie nicht retten können… es ist ein Schicksalsschlag und wir müssen dies begreifen lernen… was man sich zunächst nicht vorstellen kann.-
Ich habe mehr als 40 Jahre mit schweren Schuldgefühlen zugebracht – alle Therapeuten machten einen großen Bogen um mein Leid und wiesen mich damit zurück. Erst vor 2 Jahren bei einer psychosomatischen Kur hörte mir eine fähige Psychologin so empathisch zu, als ich es zum allerersten Mal wagte, ihr den gesamten Ablauf von Ullis Tod, das Davor und das Danach zu beschreiben. Es war schon einmal erleichternd, darüber - aufgelöst in Tränen - zu sprechen. Sprechen ist allemal eines der winzigen Heilmittel! Anschließend an diese Kur sprach ich wochenlang in einer körperorientierten Psychotherapie (NARM nach Laurence Heller u. Aline Lapierre) über mein Kind. So ist es mir gelungen, diese Schuldgefühle am Sterben meines Babys zu überwinden!
Ich finde es so gut, dass dich deine Therapeutin ermutigt zu sprechen und zu schreiben über das, was passiert ist!
Nur: die meisten anderen Menschen haben Angst, so etwas zu hören und man fühlt sich, als sei man vor eine Wand geknallt. Mir ist das all die Jahre so gegangen und ich habe es aufgegeben, etwas zu sagen. Auch der Vater von Ulli hat alles in sich hineingefressen und dann eine Zwangsstörung entwickelt.
Die Trauer um das Kind bleibt bestehen –und wer anderes sagt – ist für mich unglaubwürdig, sie verändert sich nur ein wenig mit den Jahren. Immerhin spreche ich davon, und dies aus vollster Überzeugung, dass ich 4 geliebte Kinder habe: Ulli (*), Stefanie, Nicola und Mike, unseren Pflegesohn.-
Liebe Lysann, ich drücke dich unbekannterweise ganz fest
Deine ullis Mama

Lysann(R)

E-Mail

23.11.2017,
14:56 Uhr

@ ullis Mama
 

Lenya

Liebe ullis Mama,

erstmal vielen lieben Dank für deine lieben Worte. Ja man muß es wohl begreifen das es ein Schicksalsschlag ist gegen den man nichts machen kann, auch wenn es einen schwer fällt. Ich bin auch unheimlich berührt von deiner Geschichte, es muss unheimlich schwer sein wenn es totgeschwiegen wird. Ich wünsche dir viel Glück wegen evtl. Unterlagen und Kraft für die weitere Verarbeitung. Momentan funktioniert es die Tage bei mir auch ganz gut, ich bekomme aber auch jedes mal wieder gesagt ich hätte nichts machen können. Letzte Woche nach der Beerdigung war ich die ganze Zeit wie nicht wirklich anwesend aber ich habe das Gefühl es beginnt jetzt langsam das man nicht nur noch iwie existiert sondern wieder beginnt zu leben. Ich halte ganz an den Gedanken fest das sie nicht leiden musste bzw nichts davon mitbekommen hat, wie es mir gesagt wurde, das hilft mir ungemein. Wir sind auch wieder in unsere Wohnung zurück gegangen, auch wenn es nicht die ganze Zeit über ist, die Zeit vorher waren wir bei meinem Eltern, die sich auch total lieb um uns gekümmert haben. Es ist echt verwunderlich, habe ich mich bei meinen Eltern eigentlich immer in den Schlaf geweint, kann ich Zuhause normal einschlafen. Ich meine gut ich beschäftige mich bis ich wirklich total müde bin, aber das habe ich vorher auch schon gemacht gehabt. Mein Mann geht wieder arbeiten, er braucht das einfach, ein bisschen Normalität und auch die Ablenkung durch die Arbeit. Er hatte auch ein Gespräch mit seiner Chefin, das sie ihn deswegen nicht verlieren will. Das sie es aber auch nicht verhindern kann das ihre Tochter, bisschen älter als ein Jahr, mal mit in der Werkstatt ist und das sie schwanger ist. Ob er denkt er kommt damit klar, finde ich ja total fair von ihr. Auch wir reden mehr miteinander, gut er fängt nicht von alleine an darüber zu reden, aber er blockt auch nicht ab, was ich schon mal als gutes Zeichen ansehe. Meine Kolleginnen sind auch alle sehr verständnisvoll, 3 von ihnen waren auch auf der Beerdigung als Unterstützung. Haben auch alle gesagt, ich soll mir all die Zeit nehmen die ich brauche, es ist vollkommen egal wie lang es ist. Hilft auch ungemein das man sich darüber keine Gedanken machen muss, auch wenn es mir ehrlich gesagt egal wäre wenn es nicht so wäre, wenn ich eins aus der Sache gelernt habe, ist es das das es wichtigeres gibt als Arbeit, Geld usw. Seine Großeltern bieten auch immer wieder finanzielle Unterstützung an, als wenn mir die Kosten nicht egal wären, haben allerdings auch genügend Ersparnissen, so dass ich mir darüber keine Gedanken machen muss. Leider ist aber bei ihnen das finanzielle unterstützen das Einzige was sie können, habe ich den Eindruck. Sie haben vor der Beerdigung das Angebot bekommen uns jeder Zeit besuchen zu können, aber sie waren der Ansicht nach der Beerdigung könnte man sich wieder treffen, als wenn man einen Schalter umlegen könnte und alles ist wieder gut. Ich nehme es ihnen total übel das sie nicht mal auf die Idee gekommen sind einfach mal davor vorbei zu kommen und ihm in den Arm zu nehmen, selbst seine Schwester ist auf die Idee gekommen das zu machen und die beiden waren Jahrelang zerstritten. Auch für mich ist sie eine große Stütze und auch wir konnten uns nicht ab, ich meine gut vielleicht hält es nicht lange an, wir sind einfach zu unterschiedlich, aber das es jetzt so ist, dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Die Tage bisher in unserer Wohnung habe ich dazu genutzt ihr Zimmer ordentlich zu machen, wir hatten an den Tag alles einfach rein gestellt und bisher so gelassen. Wenn es gefühlsmäßig bei mir so bleibt, wird das Zimmer auch so bleiben. Ich erinnere mich gerne an sie und schreibe deswegen auch die verschiedensten Situationen von ihr bzw mit ihr auf, angefangen bei den ersten positiven Schwangerschaftstest, alt so viele Erlebnisse hatte man ja noch nicht mit ihr, aber diese wenigen Sachen will ich auch für immer behalten und man vergisst ja auch viel zu schnell wenn es nicht aufgeschrieben ist. Ich bin auch froh das wir so viele Fotos und Videos von ihr haben, hab jeden Tag auch für meinen Mann welche gemacht und ihn geschickt, als Aufheiterung weil er auf Arbeit war. Dadurch ist es für den Zeitraum auch verdammt viel und die Sachen schaue ich mir gerne an. Wir wollen sie nicht vergessen oder gedanklich ungeschehen machen und denken sie würde wollen das wir weiter machen. In unseren Herzen wird sie immer weiter leben und wir sind jetzt auch dazu verpflichtet für sie mitzuleben, so dass sie, wenn wir iwann wieder zusammen sind, stolz auf uns ist. Unsere Psychologin hat uns ja auch quasi Sex verordnet, ich glaube alleine wären wir nicht so schnell auf die Idee gekommen. Einigen wird es viel zu früh erscheinen, aber wir denken auch an weitere Kinder bzw werden nichts dagegen machen, was es verhindern soll. Wir wollen sie aber damit nicht ersetzen, bloß wir hatten immer einen Kinderwunsch und der ist ja nicht weg dadurch das das passiert ist. Mein Mann hat auch wenige Tage nach ihrer Geburt schon an ein Geschwisterchen für sie gedacht. Im ersten Moment danach war zwar der Gedanke bei mir, nie wieder, nicht noch mal die Angst haben, das es wieder passieren könnte bzw das danach durchstehen müssen, wenn es passieren sollte. Aber mittlerweile ist es bei mir so das ich denke, das ich das nie vom Kopf her entscheiden kann, ich werde immer Angst davor haben und deswegen mich dagegen entscheiden. Deswegen wenn es passiert, passiert es und dann muss ich einfach mit der Situation klar kommen. Ist vielleicht nicht der beste Weg, aber momentan mein Weg. Du hattest ja geschrieben du hast 4 Kinder, wenn man mal nachfragen darf, wie lange dauerte es denn bei dir? Wie meinte mein Mann so passend, wir hätten noch viel Liebe zu geben und wegen der Endometriose ja auch nicht unendlich viel Zeit, um weitere Kinder zu realisieren.
Ich drücke dich mal unbekannter Weise zurück.
Deine Lysann

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